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Meisterschaft: HSG Stemmer/Fw.

HSG siegt in Stemmer - Aufstieg perfekt



von Stefan Herzog

Aus der Tageszeitung: „Die Glocke“, vom 26.04.2010

Gütersloh (zog).  

Zwei an die Nerven gehende Krimis hatte die HSG Gütersloh am Samstag zu überstehen, bevor der Boden in der Schulkamp-Sporthalle in Minden-Stemmer zur Sekt-Schlinderbahn wurde, bevor sich die Spieler, der sichtlich mitgenommene Trainer Hagen Hessenkämper und die vielen mitgereisten Fans in den Armen lagen. Denn nach dem 36:30 (14:17) Auswärtssieg beim Tabellendritten Stemmer-Friedewalde und der zeitgleichen Niederlage von Konkurrent HSG Hüllhorst in Oberaden stand um 21.03 Uhr fest: Es gibt im nächsten Jahr und damit zum ersten Mal Oberligahandball in Gütersloh.

 

Dass das ersehnte Ziel schon am drittletzten Spieltag dank einer stolzen Serie von nun 27:1 Punkten erreicht wurde, hatte kaum jemand erwartet.

Immerhin war der Bröskamp-Bus bei der Abfahrt in Gütersloh stickum schon mal mit vier Extra-Bierkästen und Sekt beladen worden.

Doch in den ersten 20 Minuten des vom schwachen Schiedsrichtergespann Averbeck/Kutschmann geleiteten Partie deutete überhaupt gar nichts auf Meisterjubel hin: Im Angriff der Gütersloher lief gar nichts zusammen, die 5:1-Abwehr bildete keinen Verbund und wurde nicht zuletzt vom bärenstarken Mittelmann Fabian Gast immer wieder ausgehebelt. Völlig verdient setzten sich die Gastgeber von 4:3 bis auf 10:3 (12. Minute) ab.

Hagen Hessenkämper, der diesmal auf seinen Co Philipp Christ (beruflich in Berlin) verzichten musste, wechselte Florian Haubrock auf Rechtsaußen ein, brachte Marcel Schönhoff als Mittelmann und tauschte im Tor Matthias Wehmöller für Daniel Plum.

Dennoch lag der Meister weiter mit sieben Toren im Hintertreffen (13:6, 18. Minute). In Unterzahl erwachte endlich der Kampfgeist. Dank einer Vierer-Serie zum 13:10 war die HSG kurz vor dem Seitenwechsel wieder herangekommen. Und nach Wiederanpfiff zeigte sich, warum die Gütersloher seit Dezember 2009 ungeschlagen ist. Mit Willen, Konzentration, Leidenschaft und Selbstvertrauen drehten sie die Partie.

Beim 19:19 (36.) war erstmals der Ausgleich geschafft, dann zogen die Gäste auf 19:21 davon und brachten den Sieg vor gut 70 eigenen Fans souverän und trotz doppelter Manndeckung gegen Benjamin Zöllner und Marcel Schönhoff über die Zeit.

Dann begann Krimi zwei. Nach der ersten Freude über den vorentscheidenden Sieg im Spitzenspiel beim Tabellendritten folgten drei Telefonate in die Römerberg-Sporthalle in Oberaden. Beim ersten waren noch drei Minuten zu spielen, die abstiegsgefährdeten Gastgeber führten gegen den Zweiten Hüllhorst mit zwei Toren Vorsprung. Gefühlte fünf Minuten später lief die Partie immer noch. Erst der dritte Anruf brachte die Gewissheit: Endstand 29:27 für Oberaden, damit war der vorzeitige Meistertitel der HSG Gütersloh unter Dach und Fach.

Jetzt gab es kein Halten mehr. Sekt- und Bierfontänen spritzten durch die Halle, der mit Bier geduschte HSG-Vorsitzende Udo Johannböke hüpfte wie aufgedreht mit den Spielern übers Parkett, der Fanclub "Handballfreunde Gütersloh" trommelte und sang, die Tribüne gehörte den seit den Schlussminuten stehend applaudierenden Güterslohern.

In der Dalkestadt angekommen, hatte das aus dem Bus heraus benachrichtigte Vereinslokal "Gütersloher Brauhaus" Schnitzel für die Mannschaft gebraten, bei Freibier wurde bis in den frühen Morgen gefeiert. Damit es auch im nächsten Spieljahr etwas zu feiern gibt, müssen der Trainer, der natürlich auch in der Oberliga Hagen Hessenkämper heißt, und der Vorstand nun viele Hausaufgaben erledigen.

Dazu sollten sie die seit Samstag 21.03 Uhr herrschende Euphorie nutzen.

 

 
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